“Ein Land liebt man, wenn man die Menschen dort liebt.”

28/07/2014 17:02

Nach fünf Jahren in ihrer angestammten Heimat Österreich ist Regina Ovesny-Straka wieder in ihre Wahlheimat Slowakei zurück gekehrt. Von 1994-2009 war sie eine Art Fixstern des slowakischen Wirtschaftslebens gewesen. Sie stand als Grande Dame der slowakischen Finanzwelt an der Spitze der größten Bank Slovenská sporiteľňa und war jahrelang Präsidentin des slowakischen Bankenverbandes. Jetzt hat sie als stellvertretende Generaldirektorin der Versicherung Kooperativa eine neue Herausforderung übernommen.

Text: Christoph Thanei, Foto: Salzburger Sparkasse

Regina Ovesny-Straka2

NPZ: Warum sind Sie in die Slowakei zurück gekommen?

Regina Ovesny-Straka: Ich habe von Dr. Geyer (Anm.: Aufsichtsratsvorsitzender der österreichischen Vienna Insurance Group) ein sehr interessantes Angebot bekommen, die Versicherung hier weiter zu führen, wenn ihr jetziger Generaldirektor Juraj Lelkes in Pension geht. Natürlich hat mich auch besonders gefreut, wieder in die Slowakei zurück zu kommen. Denn ich habe in diesem Land 14 Jahre lang gelebt und von den Geburtswehen des Staates bis zu vielen Höhen und Tiefen so Vieles erlebt, das mich mit den Menschen verbindet. Ich bin überzeugt, dass man ein Land liebt, wenn man seine Menschen liebt.

 

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe?

Das Versicherungsgeschäft ist für mich ein neues Business, das anders ist als das Bankwesen. Die Möglichkeit wieder etwas Neues zu lernen, will ich mir nicht entgehen lassen. Ich brauche immer wieder neue Herausforderungen. Auch meine Jahre in Salzburg bedeuteten einerseits, wieder zu spüren, wie Österreich denkt und “tickt”, aber sie brachten mir auch eine Menge neuer Erfahrungen. Wir haben in Salzburg viele Änderungen implementiert. Das läuft jetzt alles sehr gut und damit ist es für mich die richtige Zeit wieder etwas Neues zu probieren, wenn ich das so ein bisschen frech sagen darf.

 

Gibt es auch Dinge, die Sie in der Slowakei überrascht haben nach Ihrer Rückkehr?

Es hat sich viel verändert. Vor allem die Stadt Bratislava ist um Vieles schöner geworden. Eurovea und andere Projekte sind großartig gelungen. Mein Gefühl ist auch, dass das Umfeld stabiler geworden ist – auch im Leben der Menschen. Es geht den meisten jetzt besser. Sie sind aus dieser damaligen Hektik in eine stabilere Lebensphase gekommen. Werte wie sich mehr um die Familie zu kümmern und nicht mehr alle Energie nur in die Arbeit zu stecken, sind wichtiger geworden. Man powert sich nicht mehr komplett aus.

 

Die Nachricht über Ihre Rückkehr hat für großes Aufsehen in der Slowakei gesorgt.

Ich bin wunderbar aufgenommen worden. Solche SMS zu bekommen wie “Vitaj doma!”, war wirklich sehr schön. Es ist auch schön, wieder lieb gewordene Menschen zu treffen, die man fünf Jahre nicht gesehen hat und die einem das Gefühl geben, als wäre man nie weg gewesen.

 

Was wird sich in der Kooperativa ändern müssen?

Die Kooperativa ist auf dem slowakischen Markt sehr gut aufgestellt. Aber manche Änderungen wird es trotzdem geben müssen – in Richtung modernerer Trends. Es ist in jedem Unternehmen notwendig, immer wieder zu schauen, was einen in den nächsten zehn Jahren erwartet und wie man sich darauf vorbereiten kann. Eines der wichtigsten Kriterien für die Zukunft wird es sein, welche Qualität wir den Kunden anbieten können. Das beginnt bei der Administration und geht bis zur Liquidierung eines Schadens. Das sind die Schritte, die den Kunden entscheiden lassen, ob er seine nächste Versicherung wieder bei uns abschließt oder nicht. Zusätzliches Ausbaupotenzial haben wir sicher noch im Bereich Lebensversicherungen.

 

Im Bankenbereich spricht man jetzt – gerade nach einer Gewinnwarnung der Erste Bank – wieder von einem “Osteuropa-Problem” der österreichischen Banken. Reicht das auch in den Bereich der Versicherungen hinein?

Der Fehler, der dabei in der Berichterstattung immer gemacht wird, ist der, dass man pauschal von einem “Osten” spricht. Aber man kann Rumänien und Bulgarien nicht in den selben Topf werfen wie Tschechien und die Slowakei. Die Länder haben sich ganz anders entwickelt. Ein besonderer Fall ist Ungarn, wo sich die Regierung etwas eigenwillige Maßnahmen einfallen lässt, die den Finanzinstituten natürlich nicht besonders gefallen. Aber nehmen wir etwa das Beispiel Rumänien. Dort haben Banken und auch Versicherungen Probleme. Vermutlich ist das ganze Land noch in einer Umbruchsituation, in der es nicht mehr sein sollte. Das kann man von Tschechien und der Slowakei überhaupt nicht behaupten. Es gibt Banken und Versicherungen, die in einigen Ländern Probleme haben, das ist Faktum. Auch die VIG-Gruppe hat mit ihren rumänischen Töchtern keine große Freude, müssen wir offen sagen. Wenn man in ein Land investiert, dann investiert man zu einem gewissen Grad in dessen Zukunft. Da kann es sein, dass sich das eine Land besser entwickelt und das andere schwächer. Das war nicht alles vorhersehbar. Es hätte zum Beispiel kaum jemand erwartet, dass sich die Slowakei wirtschaftlich so gut entwickeln wird. Wer das in den 90-er Jahren prophezeit hätte, dem hätte man damals im Ausland nicht geglaubt. Aber es ist gelungen. Und daran haben auch die Banken und Versicherungen sehr gut verdient. Daher wäre es falsch, alle diese Länder in einen Topf “Osten” zu werfen.

 

Die Versicherungsprämien, die der Kunde etwa für Kraftfahrzeug-Versicherungen bezahlt, sind in Österreich um Vieles höher als in der Slowakei. Gibt es einen Anpassungsdruck, dass auch hier die Prämien steigen müssen?

Die Unterschiede liegen daran, dass die Gesetzeslage verschieden ist. Wenn Sie in Österreich bei einem Unfall einen gesundheitlichen Schaden oder gar Tod verursachen, dann haben die Familien enorme Ansprüche auf Entschädigungen. In der Slowakei ist das noch nicht so streng geregelt. Hier müssen die Versicherungen den Angehörigen noch nicht so viel bezahlen. Das wird aber in Zukunft wohl auch kommen und dann wird es auch Auswirkungen auf die Höhe der Prämien haben.

 

Für große Finanzinstitutionen ist eine gewisse Nähe zur Politik notwendig. Denn wie Sie gerade angesprochen haben, hat die jeweilige Gesetzeslage wesentlichen Einfluss auf ihren Geschäftserfolg.

Wir haben auch einen Versicherungsverband, in den ich allerdings noch nicht so involviert bin. Dieser Verband ist ähnlich wie der Bankenverband hauptsächlich damit befasst, Gesetzesentwürfe zu kommentieren und Anmerkungen im Interesse der Versicherungen anzubringen. Von der gegenwärtigen politischen Szene kenne ich einige Akteure noch von früher. Ich weiß, dass man zum Beispiel mit einem Finanzminister Peter Kažimír gut zusammenarbeiten und etwas vereinbaren kann. Deshalb glaube ich schon, dass man die richtigen Leute finden kann, mit denen sich etwas diskutieren lässt. Natürlich hat jede Regierung und jedes Unternehmen andere Interessen. Es geht also darum, Wege zu finden, mit denen beide Seiten gut leben können. Da sehe ich kein großes Problem.

 

Kämpferische Wahlkampfäußerungen etwa an die Adresse von Banken und großen ausländischen Unternehmen machen Ihnen also keine Sorgen?

Banken anzugreifen, ist seit der Finanzkrise modern in ganz Europa. Das ist für die Banken nicht angenehm, aber es ist auch ihre Aufgabe, auf europäischer Ebene gemeinsame Wege zu finden. Es ist klar, dass eine gesunde Wirtschaft auch ein gesundes und widerstandsfähiges Bankwesen braucht. Für die Versicherungen ist die Situation etwas einfacher, weil sie auch in der öffentlichen Meinung nicht als Verursacher der Krise gesehen werden. Es hat auch keine Versicherungen gegeben, die wie Banken in vielen europäischen Ländern Staatshilfe gebraucht haben. Die Auswirkungen der Krise bekommen aber natürlich auch die Versicherungen zu spüren. Etwa durch neue Regularien, die wir bisher noch nicht gewohnt waren. Da muss man dann eben Gespräche führen, dass zum Beispiel die Nationalbank das Korsett nicht zu eng schnürt und damit den Versicherungen den Atem nimmt. Dafür sind wir aber in der Versicherungsbranche auf einem guten Weg.

 

Sie werden jetzt wahrscheinlich nicht viel Freizeit haben. Aber was tun Sie, wenn Sie doch frei haben?

Sie haben Recht, viel Freizeit habe ich nicht, da ich mich in Vieles erst einarbeiten muss. Aber ich versuche abends möglichst viele Leute zu treffen. Und wenn möglich, gehe ich mit meinem Mann Golf spielen. Ich habe auch meinen alten Fitnesstrainer wieder “reaktiviert”. Das alles ist wichtig, um den Kopf ein bisschen von der Arbeit frei zu bekommen.

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Zur Person:

Mag. Regina Ovesny-Straka studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ab 1982 arbeitete sie für die Creditanstalt (CA) in Wien und kam 1994 für diese damals eine der größten Banken Österreichs in die Slowakei. 1999 Vorstandsvorsitzende der Slowakei-Niederlassung der zur Bank Austria Creditanstalt fusionierten größten Bank Österreichs. Von 2001 bis 2009 Vorstandsvorsitzende und Generaldirektorin der Slovenská sporiteľňa und Präsidentin des Slowakischen Bankenverbandes. Danach Vorstandsvorsitzende und Generaldirektorin der Salzburger Sparkasse. Seit April 2014 stellvertretende Generaldirektorin der zur Vienna Insurance Group gehörenden KOOPERATIVA poisťovňa, a.s. in Bratislava.